Übergang von der Honig- in die Varroa-Saison

Die Bienensaison 2019 war im Rückblick insgesamt wesentlich von den extremen Wetterkapriolen bestimmt. Inzwischen wird auch bei uns im Institut die letzte Sommerhonigernte eingebracht und damit ist vielerorts schon die „Honig-Saison- 2019“ (fast) beendet. In den Heidegebieten gibt es zwar derzeit eine eher kleine Hoffnung auf eine prächtige Heideblüte. Ob dies berechtigt ist, wird abzuwarten sein, denn die Blüte ist ja nur ein erster wichtiger Schritt. Ob die Heide dann aber auch tatsächlich „honigt“, ist alljährlich eine wiederkehrende, aufregende „Zitterpartie“ für die Heideimker. Letztlich hängt alles wesentlich am Wetter der nächsten Wochen.

Jetzt muss der Fokus einer jeden Imkerin, eines jeden Imkers insbesondere auf

» das Abernten der Wirtschaftsvölker,

» jegliche Vermeidung von Räuberei,

» die Futterversorgung der Jung- und Altvölker und

» auf eine Varroabefalls-Ermittlung und gegebenenfalls auf einer gezielten Varroa- Bekämpfung liegen, sollte die Schadschwelle (schon) überschritten sein.

Beim Abernten der Wirtschaftsvölker gilt bekanntlich die grundsätzliche Regel, dass der Honig (mit der Ausnahme von Melezitosehonig, den es glücklicherweise wohl in diesem Jahr nicht gibt) unterhalb des Absperrgitters den Bienen gehört und dort belassen werden sollte. Dennoch muss jeder, der jetzt den letzten Honig aus den Honigräumen erntet, die Futterversorgung der Bienen unbedingt bei jedem Einzelvolk im Blick behalten und notfalls sogleich einen Ausgleich für die Honigentnahme mit einer Futtergabe zu schaffen. Ein Eintrag von Nektar oder Honigtau ist eher nicht mehr zu erwarten.

Denken Sie beim Abernten und auch beim Füttern unbedingt daran, die Zeit der

„Räuberei“ ist eingeläutet und die wird bekanntlich durch unvorsichtiges Arbeiten an den Bienen ausgelöst. Das muss unbedingt vermieden werden. Ernten Sie die Völker entweder in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden ab. Füttern sollten Sie eher in den Abendstunden.

Besonderes Augenmerk benötigen nach wie vor auch die Jungvölker, die ja noch weiter bis zur Überwinterungsstärke wachsen sollen. Das heißt, sie benötigen stets Futter und Erweiterungswaben bzw. Rähmchen mit Mittelwänden solange sie noch bauen.

  Der Varroa-Befalls-Status der Völker muss jetzt zur Ermittlung der Schad- schwellen erfasst werden!

Ab jetzt gilt es sich einen Überblick über den Varroa-Befallsgrad der eignen Völker zu verschaffen. Wer das nicht tut, der Imkert im „Blindflug“, denn die Bekämpfung der Varroamilbe soll möglichst nach dem Schadschwellenprinzip erfolgen. Dazu muss man erst einmal Kenntnis über den derzeitigen Varroa-Befallsgrad der eigenen Völker haben.

Legen Sie für die Dauer von 3 Tagen eine Varroa-Diagnosewindel unter ihre Völker und zählen Sie dann den natürlichen Milbentotenfall aus. Daraus kann dann der Milbenfall pro Tag errechnet werden.

Erst bei einem täglichen natürlichen Milbenfall von über 10 Varroamilben pro Tag bei den Wirtschaftsvölkern bzw. bei über 5 Varroamilben pro Tag bei den Jungvölkern bedarf es einer sofortigen medikamentösen Varroa-Behandlung. Diese kritischen Schadschwellen werden zu dieser Jahreszeit bei Völkern derjenigen Imker eher selten erreicht, die mit wenigen Milben in ihren Völkern das Jahr 2019 begonnen, in diesem Jahr regelmäßig Drohnenbrut ausgeschnitten und Jungvölker zur Varroa- Reduzierung aus ihren Wirtschaftsvölker erstellt haben – so, wie wir das über unsere Infobriefe empfohlen haben. Bei den Jungvölkern ist jetzt die kritische Schadschwelle von täglich mehr als 5 Milben eher unwahrscheinlich, da die Jungvölker ja zwischen- zeitlich, als sie brutfrei waren, behandelt wurden.

Für alle Völker, die die Schadschwelle (noch) nicht erreicht haben, gilt es jetzt erst einmal nach dem Abernten mit dem Auffüttern zu beginnen. So schafft man Futterkränze in der oberen Brut-Zarge, die dann zur Ameisensäure-Behandlung im August ein sicheres Polster bilden. So wird die Brut vor Ameisensäureschäden besser geschützt. Derzeit ist der Einsatz von Ameisensäure-Verdunstersystemen wegen der extremen Außentemperaturen (tags und nachts) eher schwierig.

Andererseits mehren sich die Hinweise aus der Imkerschaft, dass der Varroa-Befall in vielen Völkern in diesem Jahr wohl höher liegt als in vergleichbarer Zeit im letzten Jahr. Daher kann es durchaus nötig werden, schon jetzt mit der Behandlung zu beginnen. Wichtig ist bei einer Behandlung mit Ameisensäure, dass nicht kurz vorher oder zur gleichen Zeit Futtersirup gegeben wird, da dieses Futter die Ameisensäure

„aufsaugen“ und deren Wirkung reduzieren würde. Wir empfehlen Ihnen dazu das Konzept des „Teilens und Behandelns“. Details dazu finden Sie am Ende dieses Info- Briefes.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und Spaß mit Ihren Bienen und verbleiben mit den besten Grüßen

Dr. Otto Boecking,

Prof. Dr. Werner von der Ohe, Guido Eich und Ingo Lau

LAVES Institut für Bienenkunde Celle

Herzogin-Eleonore-Allee 5, 29221 Celle

Unsere Informationsangebote finden Sie unter: http://www.laves.niedersachsen…ticle_id=73177&_psmand=23 Folgen Sie dem LAVES auf Twitter: https://twitter.com/LAVESnds

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  Varroa-Behandlungsmethode für Wirtschaftsvölker, die schon jetzt im Juli die Varroa-Schadschwelle erreicht haben - das Konzept „Teilen und Behandeln“

Sollten nach der Varroa-Gemüll-Diagnose Ihre abgeernteten Wirtschaftsvölker die Schadschwelle von >10 Milben/Tag schon überschritten haben, so sollten diese einer Behandlung unterzogen werden. Dazu empfehlen wir das Konzept des „Teilens und Behandelns“.

Dieses Konzept findet sich in ganz ähnlicher Form als ein Element im „Celler- Rotationsverfahren“ wieder. Es unterscheidet sich zudem nur unwesentlich von dem diversen Verfahren der „totalen Brutentnahme“. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, dass zunächst die Bienenmasse von der Brut getrennt wird, aber letztere nicht vernichtet wird. Es entstehen zwei Volksteile, ein „Flugling“ und ein „Brutling“. Der

„Flugling“ kann schon zwei Tage nach seiner Erstellung effizient gegen die Varroa- Milbe behandelt werden, weil sie ja direkt und ausschließlich auf den Bienen sitzen. Dasselbe gilt dann später für die aus der Brut geschlüpften Bienen des „Brutlings“. Für beide Volksteile wird so eine totale Brutunterbrechung erreicht, was neben der Freisetzung der Milben zur einfacheren Behandlung auch andere Brutkrankheiten reduzieren hilft.

Die praktische Vorgehensweise:

Zunächst wird das zu behandelnde, abgeerntete Wirtschaftsvolk an seinem Standplatz zur Seite gestellt. An die Stelle des vorherigen Standortes werden stattdessen ein neuer Boden und darauf eine Zarge gesetzt. Diese Zarge ist mit leergeschleuderten, trockenen Honigraum-Waben und mit mindestens einer Futterwabe am Rand ausgestattet. Dann wird die Königin aus dem Wirtschaftsvolk herausgesucht und in die auf dem neuen Boden befindliche Zarge verbracht, denn es soll ein „Flugling“ gebildet werden. Wer ganz sicher gehen will, kann die Königin dazu in einen Käfig mit Futterverschluss zwischen die Waben hängen. Alle eingeflogenen Bienen werden auf ihren alten Standplatz fliegen. Dazu muss natürlich Flugwetter herrschen. Wer nachhelfen will, kann auch gerne zusätzlich die ansitzenden Bienen von den Brutwaben vor das Flugloch des „Fluglings“ kehren bzw. abschlagen. Der so entstehende, nebenan gestellte „Brutling“ benötigt zunächst nur wenige Bienen, denn dort schlüpft ja alsbald die gesamte Brut. Daher können die Brutwaben gerne großzügig abgekehrt bzw. abgeschlagen werden.

Bitte beachten Sie, dass bei beiden Volksteilen, dem „Flugling“ und dem „Brutling“, die Fluglöcher eingeengt werden, um einer Räuberei vorzubeugen. Die Völker müssen dennoch bei hohen Tagestemperaturen gut belüftet bleiben.

Zwei Tage nach dieser Prozedur kann der „Flugling“ gegen die Varroa behandelt werden. Hierzu bietet sich eine Sprüh- oder Träufelbehandlung mit Oxalsäure an.

Am folgenden Tag beginnt man den „Flugling“ zu füttern. Achten Sie darauf, auch beim „Brutling“ darf kein Futter fehlen.

21 Tage nach dem Teilen sind dann in dem „Brutling“ alle Bienen geschlüpft und eine Nachschaffungskönigin ist entstanden. Zunächst werden die Bienen auf eine Zarge eingeengt, da sie nur einen Raum benötigen.

Haben die Bienen sich dann beruhigt, kann auch dieser Teil des ehemaligen Wirtschaftsvolkes mit Oxalsäure behandelt werden. Auch dieses (neue) Volk wird sodann gefüttert.

Alle diese Arbeitsschritte sollte man in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden durchführen. Das Verfahren eignet sich auch, um gleichzeitig die Königinnen auszutauschen. Das bedeutet, dass man bei der Erstellung des

„Fluglings“ gleich zu Anfang, statt der „alten“ Königin eine neue, begattet zuhängt.

Später im Jahr wird dann entschieden, ob man diese beiden Einheiten getrennt einwintert oder gar wieder vereint. Das hängt von deren jeweiligen Einwinterungsstärke ab.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg mit diesem Verfahren!

    Über den Autor

    Das Institut für Bienenkunde Celle ist ein Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung sowie angrenzender Bereiche wie z.B. Pflanzenschutz, Landwirtschaft. Im Bieneninstitut sind 13 Mitarbeiterinnen und 16 Mitarbeiter sowie acht Auszubildende in den Bereichen Imkerei, Labor und Verwaltung tätig.
    Durch überregionale Tätigkeit in den Bereichen Fortbildung,Forschung,Entwicklung hat das Bieneninstitut internationale Anerkennung.

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