Frühzeitiges Versiegen von Pollenquellen - Infobrief

Die Folge des extrem warmen, trockenen Sommerwetters 2018 spiegelt sich derzeit in den Bienenvölkern wider

Die lang anhaltende, hoch-sommerliche Wetterlage hat vielerorts – zumindest in weiten Teilen Niedersachsens - für ein frühzeitiges Versiegen von Pollenquellen gesorgt. Neben dem durchweg deutlich früheren Blühbeginn der meisten Blühpflanzen, sind viele Pflanzen in diesem Jahr aufgrund der Trockenheit schnell abgeblüht oder sie sind schlichtweg vertrocknet. Es gibt Honigbienenvölker, die derzeit über keinerlei Pollenreserven verfügen, was aber auch in anderen Jahren oft der Fall ist. Die meisten Völker haben ihre Bruttätigkeit dieser Situation angepasst und haben das Brüten schon weitgehend oder ganz eingestellt.

Wenn auch die Völker jetzt teilweise schwächer sind als in anderen Jahren, was man besonders gut nach einer kühlen Nacht frühmorgens beurteilen kann, so muss man sich dennoch keine Sorgen machen. Man kann dem ohnehin nicht gegensteuern, denn bekanntlich ist das Zufüttern von Pollenersatzfutter komplett wirkungslos. Wir raten davon ab. Bekanntlich ist das länger anhaltende Brüten sogar ein Zeichen dafür, dass die Bienenvölker den Verlust von Brut durch übermäßigen Varroa-Befall gegenzusteuern versuchen. Von daher gibt es derzeit keinen Grund zur Beunruhigung. Die Honigbienen werden mit dieser Situation klarkommen.

Es ist jedoch schon jetzt absehbar, dass man in diesem Jahr noch kritischer als sonst sich die Völker vor dem Beginn des Winters anschauen muss, um dabei zu prüfen, ob sie über eine ausreichende Stärke zur Überwinterung verfügen. Notfalls muss man dann noch einmal Völker vereinen bzw. aufeinandersetzen, um die Überwinterungschance zu erhöhen.


■ Es ist zwar nach wie vor eher ruhig um die Varroa, dennoch gibt es „Ausreißer“


Die Rückmeldungen vieler Imker bestätigen, dass bei einer Vielzahl von Völkern der natürliche Milbenfall in diesem Jahr auffällig niedrig liegt. Natürlich gibt es vereinzelt auch

„Ausreißer“ und auch Varroa-bedingte, schwächelnde Völker. Die Tatsache, dass witterungsbedingt ein Großteil der Völker jetzt schon brutfrei oder weitgehend brutfrei sind, bietet natürlich auch die Chance eine Oxalsäure-Behandlung (träufeln oder sprühen) durchzuführen. Behalten Sie auf jeden Fall die Varroa weiter im Blick. Legen Sie ruhig noch einmal eine Diagnosewindel ein, um den natürlichen Totenfall der Varroamilben zu erfassen, um dann zu entscheiden, ob eine Behandlung durchgeführt werden muss.


■ Füttern Sie weiterhin Ihre Völker ein und vermeiden Sie unbedingt eine Räuberei


Wie Sie wissen, sollen die Jungvölker zwar stetig Futter erhalten, aber die Völker sollten im Gegensatz zu den ehemaligen Wirtschaftsvölker keine großen Portionen auf einmal erhalten,
damit deren zentralen Waben nicht komplett mit Futter belegt werden. Vermeiden Sie unbedingt das Arbeiten an Ihren Völkern oder auch das Füttern bei Flugbetrieb. Das fördert die Räuberei, die unbedingt vermieden werden muss.


Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und Spaß mit Ihren Bienen und verbleiben mit den besten Grüßen


Dr. Otto Boecking,

Martina Janke BZB

Guido Eich,

BZB Ingo Lau,


LAVES Institut für Bienenkunde Celle

Herzogin-Eleonore-Allee 5, 29221 Celle


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