Honigtauhonige eignen sich nicht für die Überwinterung - Infobrief

In den letzten Tagen häufen sich bei uns Anfragen von Imkern und Imkerinnen, die nach dem

Abschleudern sich über den erneuten Eintrag von Honigtau sorgen, aber auch Sorgen über

die Einlagerung von bunten Fruchtsäften in den Waben machen. Das ist nicht unbegründet.


Fruchtsäfte, die die Bienen anstelle von Nektar eintragen und verarbeiten, sind grundsätzlich kein Honig!


Aufgrund des Versiegens von nennenswerten Nektarquellen kann man derzeit Honigbienen

dabei beobachten, wie sie an heruntergefallenen, geplatzten oder sonst wie offenen

Früchten saugen, in der Auslage von Bäckereien naschen, aber auch offen zugängliche

Saftflaschen besuchen (wobei bzgl. Bäckereien und Saftflaschen die Anzahl der Wespen weit

überwiegt). In einigen Fällen ist der Eintrag dieser Säfte dann so reichlich, dass die Bienen

diesen in ihren Waben einlagern. Je nach Quelle sind die Zellen mit grüner, roter oder

tiefroter Masse gefüllt, die teilweise von Lebensmittelfarbstoffen (z.B. von gesüßten

Fruchtsäften), aber auch von Früchten stammen können. Wenn die eingelagerten Mengen

gering sind, muss man sich keine Sorgen machen. Die Bienen werden davon keinen

nennenswerten Nachteil haben. Denn entweder fressen sie diese Substanzen bald auf oder

diese wenigen bunt gefüllten Zellen vermischen sich mit dem Winterfutter, das die Bienen

noch bekommen.

Bei größeren Mengen, müssen die Waben entnommen und geschleudert werden. Keinesfalls

aber darf dies dann als „Honig“ verkauft werden. Das ist eindeutig kein Honig und beim

Inverkehrbringen würde man klar gegen die Honigverordnung (HonigV) verstoßen. Solche

Schleudermasse muss sicher entsorgt werden.


■ Honigtauhonige eignen sich nicht für die Überwinterung


Es ist hinlänglich bekannt, dass es bei der Überwinterung auf Sommerhonigen mit höheren

Honigtau-Anteilen zu Komplikationen bei unseren Honigbienen während der Überwinterung

kommt. Honigtauhonige enthalten von Natur aus mehr Ballaststoffe (Mineralstoffe, höhere

Zucker) als Blütenhonige. Das führt zur stärkeren Belastung der Kotblase der Bienen

während der Überwinterung. Haben die Bienen dann keine frühzeitige Möglichkeit zu einem

Reinigungsflug, kann die Belastung der Kotblase zum Abkoten in ihrer Beute führen.

Insgesamt überwintern die Bienen wesentlich schlechter und sind entsprechend schwach im

Frühjahr, weil sie Bienen verlieren, die frühzeitig abgehen. Im Extremfall stirbt das

Bienenvolk durch die Beunruhigung ausgelöst durch das Koten im Stock. Von daher dürfen

keine nennenswerte Mengen von Honigtauhonigen im Bienenvolk verbleiben. Notfalls

müssen Sie diesen entnehmen.

Wegen zahlreicher Nachfragen insbesondere von Neuimkern in den letzten Tagen:

Honigtauhonig hat i.d.R. eine deutlich dunklere Farbe. Grundsätzlich deutet dunkler Honig

auf Honigtauanteile hin. Zahlreiche Sommertrachthonige beinhalten Anteile von Honigtau

(verstärkt in den vergangenen Jahren). Darum sollte man die Schleuderung aus dem Sommer

zur Sicherheit immer Sommertrachthonig und nicht Sommerblütenhonig nennen. Da häufig

der Charakter des Honigtaus und nicht der des Nektars überwiegt.

Die nächsten Tage sollen Abkühlung bringen. Dann hat auch der Eintrag von unerwünschten

süßen Säften hoffentlich ein Ende. Sie haben dann Gelegenheit ihre Völker zu inspizieren.

Denken Sie weiterhin daran, dass die Bienen jetzt in „Räuberstimmung“ sind. Seien Sie also

vorsichtig beim Arbeiten an Ihren Völkern.


Ein Hinweis zum Schluss – Wasserversorgung der Bienen bei großer Hitze


Die besondere Hitzewelle der letzten Wochen hat auch dazu geführt, dass die Bienen ihren

Wasserbedarf vermehrt u.a. an Tiertränken oder in „Nachbars Garten“ gestillt haben. In

wenigen Einzelfällen hat das offenkundig bei Menschen, die ohnehin eine Abneigung gegen

Insekten und Honigbienen haben, genau diese verstärkt und es gab hitzige Diskussionen.

Obwohl hinlänglich bekannt ist, dass oftmals die gut gemeint, selbst gebaute und am

Bienenstand aufgestellte Bienentränke von den eigenen Bienen ignoriert wird, sollte man

überlegen eine solche aufzustellen. Dann löst sich zumindest das vorgebrachte Argument

auf, man würde sich nicht richtig um seine Bienen kümmern.

Ansonsten machen Sie nichts falsch, wenn sie bei anhaltender Hitze die vorlagernden Bienen

am Abend mit etwas Wasser besprühen.


Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und Spaß mit Ihren Bienen und verbleiben mit den besten

Grüßen


Dr. Otto Boecking,

BZB Guido Eich

BZB Ingo Lau

Dr. Werner von der Ohe


LAVES Institut für Bienenkunde Celle

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