Kauf von Bienen-Kunstschwärmen

Umfrageergebnisse zu herbstlichen Bienenvölker-Verlusten im Jahre 2019 lassen laut Dr. Christoph Otten (DLR WO, Fachzentrum Bienen und Imkerei, Mayen) erneut erhöhte winterliche Sterbequoten für den Winter 2019/2020 erwarten, von denen jedoch nicht jeder Imker und jede Region gleichermaßen betroffen sein wird (Umfragen Mayener Bieneninstitut, Infobrief Bienen@Imkerei 28/2019). Gleichwohl zeigt uns die Anzahl von Imkern eingesandter Proben aus eingegangenen Bienenvölkern im Vergleich zu anderen Jahren, dass leider wieder eine höhere Überwinterungsverlustrate zu erwarten ist.



Hohe Winterverluste wollen ausgeglichen werden. Internet-Händler von Kunstschwärmen bewerben schon seit einiger Zeit ihre Angebote von Kunstschwärmen aus anderen Ländern für 2020 im Internet. Das ist aber ein insgesamt bedenklicher Weg und oftmals eben nicht die richtige Lösung Völkerverluste auszugleichen.



Grundsätzlich ist die Einfuhr von Bienen mit den entsprechenden Seuchenfreiheits- bzw. Tiergesundheitsbescheinigungen erlaubt. Sofern aber die Herkunft der Kunstschwärme nicht eindeutig belegt ist und/oder, deren Seuchenfreiheitsbescheinigungen fehlen oder fehlerhaft erscheinen, verbietet sich der Import/der Kauf dieser Bienenvölker. Dies gilt insbesondere für solche, die aus Italien stammen. Dieser Warnhinweis für Kunstschwärme aus Italien dient v orsorglich der Vermeidung der Einschleppung des Kleinen Beutenkäfers (Aethina tumida). Der Kleine Beutenkäfer ist ein anzeigepflichtiger Vorratsschädling, der sich in Italien (Kalabrien) seit seinem Erstnachweis in 2014 dort in der Region, trotz intensiver Bemühung um dessen Ausrottung, inzwischen etabliert hat. Wenn auch die dortige Veterinärverwaltung bemüht ist eine weitere Ausbreitung des Käfers in Italien zu verhindern, so zeigt die heutige Entwicklung und Verbreitung sechs Jahre nach dem Erstnachweis, dass das ein schwieriges Unterfangen bleibt.


Importierte Kunstschwärme sind gestresst und überleben den Transport häufig nicht

Generell ist der Transport von Kunstschwärmen unter bienengerechten Bedingungen für kurze Zeit unbedenklich. Bei lange andauerndem Verbleib in ungeeigneten Transportkisten und Transporten innerhalb von Europa stresst dies jedoch die Bienen. Oftmals überleben diese Kunstschwärme den Transport nicht, wie es die letzten Jahre oft zutraf. Das ist nicht nur bedauerlich, es ist auch mit der Verantwortung für das Tierwohl nicht vereinbar.

Mit der Einfuhr von Kunstschwärmen können neue Krankheitserreger und Bienen- Schädlinge importiert werden!

Grundsätzlich stellt jeder Import von Kunstschwärmen die Gefahr des Einschleppens neuer Krankheiten dar. Es besteht zudem die Gefahr der Einschleppung virulenterer, für die hiesigen Bienen gefährlicherer Genotypen von hier schon vorhandenen Krankheitserregern und auch von akarizid-resistenten Varroamilben. Von daher kann man sagen, solche Importe aus anderen Ländern nach Deutschland sind durchaus als fahrlässig, verantwortungslos und nicht zielführend zu bezeichnen.

Importe von Bienen nach Deutschland sind auch nicht nötig

Bei einer Vielzahl von versierten Imkern und Imkerinnen in Deutschland kann man alljährlich deren Überschuss an Jungvölkern kaufen. Zudem sollte die eigene Vermehrung aus dem eigenen Bestand zu den selbstverständlichen imkerlichen Fähigkeiten gehören. Von daher ist ein oftmals sogar erheblich überteuerter Import von Kunstschwärmen nicht nötig.


Wir appellieren daher hiermit noch einmal an die Imkerschaft von dubiosen Importen abzusehen.

Aus aktuellem Anlass: Diebstahl ist keine Lösung.


Dem LAVES Institut für Bienenkunde Celle wurden in der letzten Woche 12 starke Bienenvölker gestohlen.


Weiterhin wünschen wir Ihnen viel Erfolg und Spaß mit Ihren Bienen und verbleiben mit den besten Grüßen

Dr. Otto Boecking
und Prof. Dr. Werner von der Ohe





LAVES Institut für Bienenkunde Celle

Herzogin-Eleonore-Allee 5,
29221 Celle


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Über den Autor

Das Institut für Bienenkunde Celle ist ein Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung sowie angrenzender Bereiche wie z.B. Pflanzenschutz, Landwirtschaft. Im Bieneninstitut sind 13 Mitarbeiterinnen und 16 Mitarbeiter sowie acht Auszubildende in den Bereichen Imkerei, Labor und Verwaltung tätig.
Durch überregionale Tätigkeit in den Bereichen Fortbildung,Forschung,Entwicklung hat das Bieneninstitut internationale Anerkennung.

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