Die Bienensaison 2020 ist eröffnet

Wer hätte das Mitte März gedacht, dass das schöne Wetter so von frostigen Nächten abgelöst werden würde und damit viele Blüten erfroren sind. Einige Obstbauern habe mit Frostschutzberegnung versucht das Schlimmste zu vermeiden. Überall begegnet man ansonsten jetzt sichtbaren Frostschäden an den Blütenständen.

Frühlingshaftes Wetter wird in den nächsten 14 Tage vorherrschen, wenn auch die Nachttemperaturen immer noch im einstelligen Bereich liegen werden.



Die Kirschblüte kündigt bekanntlich den Beginn der Frühjahrstracht an.

Auch in Celle gehen jetzt die ersten Kirschblüten auf. Den Kirschblüten folgen dann in wenigen Tagen auch schon die Birnen- und die Apfelblüten. Letztere repräsentieren im phänologischen Kalender den Beginn des Vollfrühlings. Da in manchen Regionen (z.B. nordwestliches Niedersachsen) der Frühling noch nicht so weit vorangeschritten ist, kann man sich dort auf die in Celle jetzt schon notwendigen imkerlichen Tätigkeiten vorbereiten und bei Eintritt der entsprechenden Blütenphänologie sofort reagieren. Und wo die (Kirsch)Blüte bereits weiter vorangeschritten ist, muss der Imker/die Imkerin jetzt unbedingt handeln, bevor der Eintrag von Nektar zum Überschuss führt und die Bruträume gar

„verhonigen“ könnten. Das Sprichwort „lieber den Honigraum zu früh aufsetzen als zu spät“ passt immer.



● Jetzt heißt es Honigräume aufsetzen

Die Bienenvölker haben sich von dem Wetter der letzten Wochen eher wenig beeindrucken lassen. Das zeigt schon ein erster Blick durch die Abdeckfolie. In den allermeisten Völkern sind inzwischen die „Winterbienen“ durch eine Vielzahl von geschlüpften Jungbienen ausgetauscht worden. Ein-zargige Völker füllen jetzt alle Wabengassen. Jetzt heißt es Honigräume aufsetzen.




Honigraum über Absperrgitter aufsetzen:


Bekommen die Völker jetzt keinen Honigraum und das gute Wetter hält weiterhin an, lagern die Bienen frisch eingetragenen Nektar im Brutnest ab. Der Königin stehen so nur begrenzt leere Brutzellen zum „Bestiften“ zur Verfügung. Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl junger Bienen mit voll ausgebildeten Futtersaftdrüsen in den Völkern. Wenn diese ihren Futtersaft nicht an eine Vielzahl junger Larven verfüttern können, weil die Königin kein Platz zum Eierlegen vorfindet, ist der Grundstein für die Schwarmzeit gelegt. Und das nur, weil Platzmangel herrscht.




Manch ein Imker schwört auf das „Locken“ der Bienen mit in den Honigraum umgehängten Brutwaben. Davon raten wir dringend ab, denn Brutwaben haben im Honigraum nichts zu suchen. Es birgt zwei Gefahren: erstens kann bei einsetzenden Nachtfrösten die hochgehängte Brut womöglich verkühlen, weil die Bienen nur das eigentliche Brutnest wärmen und ggf. werden jüngere Larven wieder aufgefressen. Zweitens besteht das Problem, dass die Bienen dort womöglich unbemerkt Nachschaffungszellen anlegen. Als Folge der Nachschaffung im Honigraum wird dann die eigene Königin den Bienenkasten mit einem Teil der Bienen als Schwarm verlassen, bevor die erste Nachschaffungskönigin schlüpft.




Die Honigraumzarge


wird ausschließlich mit hellen Waben (geschleuderte und von Bienen trocken geputzte Waben aus dem Vorjahr) und mit Mittelwänden bestückt. Die ausgebauten Waben werden mittig in die Zarge gehängt und rechts und links mit Rähmchen mit Mittelwänden ergänzt. Sollte man keine ausgebauten Waben haben, gibt man nur Mittelwände.




Wenn ein-zargige Völker (Jungvölker des letzten Jahres) bislang noch nicht erweitert wurden, dann erhalten auch diese jetzt einen Drohnenrahmen und zudem einen Honigraum über Absperrgitter aufgesetzt. Wenn diese Völker den Honigraum gut angenommen haben, werden sie mit einer zweiten Brutzarge erweitert, die man einfach untersetzt.




● Die auf starken Völkern „zwischengeparkten“ ehemals schwachen Völker müssen wieder voneinander getrennt werden.

Mit unserem letzten Info-Brief vom 18. März hatten wir Ihnen empfohlen schwache Völker zur Unterstützungshilfe („boost“) über Absperrgitter auf starke, zwei-zargige Völker zu setzten. Die aufgesetzten Völker sind hoffentlich inzwischen gut gewachsen. Diese „Doppelvölker“, die bislang ein Flugloch gemeinsam genutzt haben, müssen bekanntlich 3 bis 4 Wochen nach dem Aufeinandersetzen wieder getrennt werden. Sollte jetzt tatsächlich guter Nektareintrag stattfinden, dann sollten diese Doppelvölker in dieser, ansonsten spätestens nach Ostern wieder getrennt werden.


Dazu verstellt man das „Doppelvolk“ zunächst neben seinen jetzigen Standplatz. Auf der bisherigen Position wird zunächst ein Beutenboden gestellt, um dann darauf das ehemals schwache, oben aufgesetzte Volk zu platzieren. Dieses ein-zargige Volk wird mit eine Folie und Deckel abgedeckt. Als Folge werden nun alle Flugbienen, die auf diese Stelle eingeflogen sind, das ehemals schwache Volk noch mehr verstärken. Für das zuvor starke zwei-zargige Volk wird ein geeigneter anderer Standplatz auf dem Bienenstand gewählt. Dieses Volk verliert zunächst alle seine Flugbienen an das ehemals schwache Volk, weil es nun an einer anderen Stelle steht. Das kompensiert das Volk jedoch schnell wieder.


Ist nach einem Tag wieder Ruhe bei beiden Völkern eingekehrt, werden auch diese, wie oben für zwei- und ein-zargige Völker beschrieben, mit einem Drohnenrahmen und einem Honigraum über Absperrgitter ausgestattet.




Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und Spaß mit Ihren Bienen und verbleiben mit den besten Grüßen für Ihre Gesundheit und die ihrer Bienenvölker


Dr. Otto Boecking

Prof. Dr. Werner von der Ohe,


LAVES Institut für Bienenkunde Celle

Herzogin-Eleonore-Allee 5, 29221 Celle

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Über den Autor

Das Institut für Bienenkunde Celle ist ein Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung sowie angrenzender Bereiche wie z.B. Pflanzenschutz, Landwirtschaft. Im Bieneninstitut sind 13 Mitarbeiterinnen und 16 Mitarbeiter sowie acht Auszubildende in den Bereichen Imkerei, Labor und Verwaltung tätig.
Durch überregionale Tätigkeit in den Bereichen Fortbildung,Forschung,Entwicklung hat das Bieneninstitut internationale Anerkennung.

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