Schwarmvorbeuge und -kontrollen, Ablegerbildung

Es ist eine Binsenweisheit, dass nur Individuen-starke Völker auch viel Nektar bzw. Honigtau und Pollen eintragen können. Dazu muss zunächst viel Brut angelegt werden. Aber viel Brut ist bekanntlich auch die Grundlage für das Varroa-Populationswachstum in den Bienenvölkern. Je nach Anfangsbefall kann dann die Anzahl Varroamilben irgendwann während des Bienenjahres eine kritische Schwelle erreichen.

Wie kann jetzt das Varroa-Populationswachstum in den Völkern gebremst werden?

  • Durch regelmäßiges Drohnenbrutausschneiden: Bei jeder Schwarmkontrolle muss auch der Ausbauzustand des Baurahmens kontrolliert werden. Bekanntlich ist dieser drei Wochen nach dem Einhängen mit verdeckelter Drohnenbrut gefüllt und er wird von den Varroamilben bevorzugt befallen. Mit dem Ausschneiden der verdeckelten Drohnenbrut entzieht man die darin eingedrungenen Milben den Wirtschaftsvölkern. Wer dies nicht nutzt, vergibt eine der Chancen, die jetzt stetig wachsende Milben-Population zu reduzieren.
  • Durch das Erstellen von Brutwabenablegern: Um weitere Varroa-Milben den Wirtschaftsvölkern zu entziehen, müssen jetzt Jungvölker erstellt werden. Das bremst zudem weiter die Schwarmstimmung und man kann so besonders elegant Varroa-(be)frei(t)e Völker für das nächste Jahr erstellen. Dazu bieten sich zu dieser Jahreszeit zwei Verfahren besonders an: entweder der „einfache Brutwabenableger“ oder der „Sammelbrutableger mit integrierter Königinnenzucht“.

Wer die beiden Verfahren der Erstellung von Jungvölkern noch nicht kennt, der findet diese im Anhang detailliert erklärt.




Wir wünschen Ihnen viel Erfolg dabei und verbleiben mit den besten Grüßen


Dr. Otto Boecking

Prof. Dr. Werner von der Ohe


LAVES Institut für Bienenkunde Celle

Herzogin-Eleonore-Allee 5, 29221 Celle


Unsere Informationsangebote finden Sie unter:


http://www.laves.niedersachsen.de/live/live.php?navigation_id=20073&article_id=73177&_psmand= 23
Folgen Sie dem LAVES auf Twitter
: https://twitter.com/LAVESnds









Zwei Verfahren zur Erstellung von Jungvölkern, die wir hier empfehlen.


■ Die Erstellung eines „einfachen Brutwabenablegers“:

Prinzipiell werden dazu ein oder (maximal) zwei „Brutbretter“ (Wabe mit beidseitig viel verdeckelter Arbeiterinnenbrut) mit den ansitzenden Bienen (jedoch ohne Königin!) den Wirtschaftsvölkern entnommen, um damit einen Brutwabenableger zu bilden. Das so geschröpfte Wirtschaftsvolk erhält dafür entsprechend eine oder zwei Mittelwände zum Ersatz. Auf der dem Wirtschaftsvolk entnommenen Brutwabe muss neben vieler verdeckelter auch etwas offene/jüngste Arbeiterinnenbrut zum Nachschaffen einer eigenen Königin vorhanden sein. Das mit Bienen besetzte „Brutbrett“ wird zusammen mit einer Futterwabe und einem Leerrähmchen (ausgebaut oder mit Mittelwand) an den Rand einer Zarge gehängt. Dazu sollte die Brutwabe an die Zargenwand des Brutwabenablegerkastens (=normale Zarge mit Boden) gehängt werden, gefolgt von dem Leerrähmchen und dann der Futterwabe. Wenn auf dem Brutbrett, das dem Wirtschaftsvolk entnommen wurde, nicht genügend Bienen sitzen, dann stößt man noch Bienen einer anderen Wabe (aber auch hier ohne Königin!) dazu. Zum Verbringen der so erstellten Brutwabenableger - außerhalb des Flugkreises der Wirtschaftsvölker – sollten die wenigen Waben in der Zarge so befestigt werden, dass sie während des Transportes nicht verrutschen können. Am Ablegerstand angekommen, wird das Flugloch nur gut eine „Bienenbreite“ weit geöffnet. Das geschieht auf der Zargenseite, an der die Waben (Brut-, Mittelwand und Futterwabe) eingehängt wurden. Das schützt die kleinen Völkchen besser vor räubernden Bienen. Drei Wochen später erhält der dann brutfreie Ableger eine Sprühbehandlung mit Oxalsäure gegen die Varroamilbe, denn dann ist alle Brut geschlüpft und die Bienen haben eine Königin nachgezogen.

■ Die Erstellung eines „Sammelbrutwabenablegers mit integrierter Königinnenzucht“:

Dieses Verfahren eignet sich für Imker, die mehrere Völker besitzen. Dabei ist ein strikter Zeitplan nach dem folgenden Ablaufschema einzuhalten: Start ist an einem von Ihnen gewählter Tage X und alle weiteren Schritte folgen am Tag X + 9, + 19 und schließlich am Tag X + 21 Tage.


(Tag X) Für den Sammelbrutableger werden genauso „Brutbretter“ mit ansitzenden Bienen (jedoch ohne Königin!) den Wirtschaftsvölkern entnommen, wie schon oben dargestellt. Sie werden dann nur zusammen in einer Zarge aus verschiedenen/mehreren Wirtschaftsvölkern des eigenen Bestandes vereint, bis die Zarge nebst einer gut gefüllten Futterwabe aufgefüllt ist. Der Tag, an dem der Sammelbrutableger erstell wird, ist der Tag X, dem dann alle weiteren Schritte strikt folgen müssen.


(Tag X+9) 9 Tage nach dieser Sammelbrutableger-Erstellung müssen sorgfältig alle Nachschaffungszellen auf allen Brutwaben gebrochen und dann sogleich ein belarvter Zuchtrahmen mittig eingehängt werden.


(Tag X+19) Am Tag X+19 werden dann die Königinnenzellen auf dem Zuchtrahmen „verschult“. Das heißt, mit entsprechendem Schutz versehen, damit nicht die erstgeschlüpfte Königin die anderen töten kann.


(Tag X+21) Am Tag X+21 muss der ehemalige Sammelbrutwabenableger, der jetzt das Pflegevolk für viele Königinnen darstellt, in so viele Begattungsvölkchen aufgeteilt werden, wie Königinnen geschlüpft sind bzw. geschlüpfte Brutwaben mit ansitzenden Bienen vorhanden sind. Jedes Begattungsvölkchen startet mit mindestens einer ehemaligen Brutwabe aus den Wirtschaftsvölkern (jetzt „Bienenwabe“) mit den vielen ansitzenden geschlüpften jungen Bienen + einer Mittelwand + einer Futterwabe und einer unbegatteten Königin. Beim Verteilen der mit Bienen besetzten Waben in die vorbereiteten Begattungseinheiten (Magazinzargen mit Boden) erfolgt eine Sprühbehandlung mit Oxalsäure gegen die Varroamilbe. Da zu diesem Zeitpunkt die gesamte Brut geschlüpft ist, sitzen alle Varroamilben auf den Bienen und können gut mit der Sprühbehandlung erwischt werden.


Zum Verbringen der so erstellten Begattungsableger - außerhalb des Flugkreises der Wirtschaftsvölker - sollten die wenigen Waben in der Zarge so befestigt werden, dass sie während des Transportes nicht verrutschen können. Es erscheint sinnvoll diese Begattungsableger zunächst einen Tag an einem kühlen Ort mit verschlossenem Flugloch stehen zu lassen (eine Belüftung muss jedoch gegeben sein!), damit die Bienen mit der unbegatteten Königin eine Einheit bilden. Am Ablegerstand angekommen, wird das Flugloch jedes dieser Begattungsvölkchen nur gut eine „Bienenbreite“ weit geöffnet. Das geschieht auf der Zargenseite, an der die Waben (ehemalige Brutwabe, Mittelwand und Futterwabe) eingehängt wurden.


Bei beiden Verfahren kann man in dieser frühen Phase der Saison mit hohem und gutem Begattungserfolg der Königinnen rechnen, sofern das Wetter „mitspielt“. Die so erstellten Jungvölker werden dann stetig im Rhythmus ihrer Zuwächse mit Mittelwänden ergänzt.


Notfalls bedarf es einer Ergänzungsfütterung mit flüssigem Futter in der Beute, wenn die Tracht nicht ausreicht. Diese Jungvölker wachsen stetig, bis daraus im Spätherbst dann überwinterungsfähige, Varroa-freie/-arme Völker entstanden sind.

Kümmern Sie sich regelmäßig um das Wohlergehen der so erstellten Jungvölker.

Dr. Otto Boecking

Prof. Dr. Werner von der Ohe


LAVES Institut für Bienenkunde Celle

Herzogin-Eleonore-Allee 5, 29221 Celle

Über den Autor

Das Institut für Bienenkunde Celle ist ein Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung sowie angrenzender Bereiche wie z.B. Pflanzenschutz, Landwirtschaft. Im Bieneninstitut sind 13 Mitarbeiterinnen und 16 Mitarbeiter sowie acht Auszubildende in den Bereichen Imkerei, Labor und Verwaltung tätig.
Durch überregionale Tätigkeit in den Bereichen Fortbildung,Forschung,Entwicklung hat das Bieneninstitut internationale Anerkennung.

Kommentare