Ergänzung Schwarmvorbeuge und -kontrollen, Ablegerbildung

Der Infodienst-Teilnehmer1 hat zu Recht angemerkt, dass alle Ratschläge zur Schwarm- verhinderung von uns stets in Richtung Ablegerbildung gehen. Nicht jeder Imker wolle seinen Bestand jährlich verdoppeln und man fände nicht immer Abnehmer für den Überschuss an Völkern. Einzig bliebe dann wohl nur die radikale Brutvernichtung, es sei denn, wir könnten Alternativen dazu empfehlen – so der Infodienst-Teilnehmer. Dem wollen wir gerne hiermit nachkommen.


Zunächst aber noch etwas zu den Vorzügen der Ablegerbildung, die wir primär empfehlen.


Was sind die Vorzüge der Ablegerbildung?

Orientiert man sich an den natürlichen Gegebenheiten beim Schwarmvorgang, dann liegt neben der Tatsache, dass es zur Völkervermehrung kommt, der Vorzug eines Schwarmes wesentlich in einer natürlichen Brutunterbrechung in beiden Volksteilen, dem geschwärmten und dem zurückbleibenden Teil. Das bedeutet für alle Brutkrankheitserreger eine Zäsur für deren Reproduktionsmöglichkeit. Auch die erwachsenen Bienen stellen sich physiologisch um: ein Teil der Bienen altert schneller und insbesondere kranke/geschwächte überleben diesen Vorgang nicht, während junge Bienen deutlich älter werden. Letztlich folgt der Zäsur ein fast kompletter Neustart für beide Volksteile. Das machen wir uns auch bei der Erstellung von Ablegern zunutze.


Grundsätzlich sollte mit der frühen Entnahme von „Brutbrettern“ mit ansitzenden Bienen und der Erstellung von Ablegern das Aufkommen der Schwarmstimmung unterbunden werden und so quasi das „Schwärmen“ gelenkt vorweggenommen werden. Zudem erreicht man für die Varroa-Reduzierung in den Ablegern ideale Bedingungen, denn in der brutfreien Phase sitzen alle weiblichen erwachsenen Milben auf den Bienen und so kann die Varroa- Bekämpfung mit einem hohen Wirkungsgrad sehr effizient sein. Jede dieser Milben hätte sich in dem Wirtschaftsvolk weitervermehrt und dort zum Populationswachstum beigetragen.


Ein weiterer Vorzug der selbst erstellten Jungvölker über das Ablegerverfahren liegt darin, dass man im nächsten Frühjahr nach ihrer Erstellung mit dem Einsetzen von Massentrachten (wie z.B. Raps) schnell und gezielt trachtfähige Völker zusammenstellen kann. So kann man z.B. zwei ehemalige Ableger dafür vereinen oder mit dem Ableger des Vorjahres notfalls Wirtschaftsvölker verstärken. Letztlich liegt ein weiterer Vorzug darin, dass bekanntlich

1 Grundsätzlich wird in unseren Infobriefen rein aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Weibliche und anderweitige Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

junge Königinnen eher seltener schwärmen wollen und man mit den jungen Königinnen in den Ablegern im Folgejahr hier weniger Probleme hat.

Eine radikale Brutvernichtung kann nicht die Lösung sein

Auch bei einer totalen Brutentnahme, die sich vor allem in einer späteren Phase, dem Ende der Bienensaison, als sehr effizientes Verfahren zur gleichzeitigen Varroa- und Viren- Reduzierung anbietet, sollte dies möglichst nicht mit einer Brutvernichtung kombiniert werden. Das würde nämlich einer Vernichtung wertvoller Ressourcen gleichkommen. Legt man einen theoretisch angenommenen Brutbefall mit Varroamilben von 25 Prozent zugrunde, dann schlüpfen aus den Brutwaben 75 Prozent der Bienen, die gänzlich ohne Varroalast sich gesund entwickelt haben. Von daher lohnt es sich allemal die entnommen Brutwaben dann in einer Brutscheune schlüpfen zu lassen, so wie es beim Celler-Rotations- verfahren gängige Praxis ist. Also, eine radikale Brutvernichtung kann nicht die Lösung sein und schon keine Alternative bei der Schwarmverhinderung. Eine Brutvernichtung ist nur dann anzuraten, wenn die Varroa- und Virenlast sehr hoch ist.

Andere Schwarmverhinderungs-Methoden

Grundsätzlich gilt, wenn die Bienen genug Platz haben und gefordert sind viel zu bauen, kommen sie so schnell nicht in Schwarmstimmung. So weisen wir seit vielen Jahren darauf hin, dass es ein „zu früh“ bei der ersten Honigraumgabe gar nicht gibt und ein „zu spät“ fatale Wirkungen hat, nämlich das Schwärmen geradezu fördert. Zudem sollte man die Bienen möglichst alljährlich ihre Honigraumwaben ausbauen lassen. Das hat auch Vorteile bezüglich der Honigqualität und die Honigwaben können nach der letzten Schleuderung im Jahr als Erweiterungswaben und somit als Brutzargen-Waben genutzt werden. Damit sorgt man auch für ein System der regelmäßigen Wabenerneuerung, denn im Gegenzug kann dann eine ganze Zarge alter leerer Waben (ehemals unterer Brutraum) entnommen und eingeschmolzen werden. Auch das mehrmalige Ausbauen des Bau-/Drohnenrahmens mindert die Schwarmstimmung. Gerade zu Beginn der Bienensaison „wollen“ die Bienen bauen. Also, lassen sie ihre Bienen bauen, dann verfallen sie nicht so schnell in Schwarmstimmung.

  • Völksstärken ausgleichen: Wenn man derzeit deutlich unterschiedlich starke Völker in seinem Bestand hat, kann man zur Schwarmdämpfung auch die Völker verstellen, indem die Plätze eines schwachen Volkes und eines starken getauscht werden. Das hat den Effekt, alle Flugbienen des starken Volkes verstärken das schwache. Dazu muss natürlich auch gutes Flugwetter vorherrschen. Das so um die Flugbienen geschröpfte vormals starke Volk wird den Verlust durch die Neuanlage von Brut kompensieren, aber so erst einmal nicht in Schwarmstimmung kommen. Definitiv wird aber das Volk eher weniger Honig produzieren können. Entscheidend ist aber, was kommt insgesamt unter dem Strich bei diesem Verfahren heraus.

Schwarmzellen brechen: Findet man bei der Schwarmkontrolle (Kippkontrolle) bestiftete Schwarmzellen vor, so muss man zur Schwarmverhinderung jede Wabe durchschauen und alle bestifteten und gepflegten Schwarmzellen ausbrechen. Das gilt auch für etwaige Schwarmzellen auf dem Drohnenrahmen. Diese Prozedur muss in 7-Tage Turnus wiederholt werden, wenn die Bienen weiter in Schwarmstimmung sind. Das Verfahren ist sehr aufwändig und kann nur als begleitende Lösung dienen. Zudem besteht die Gefahr, dass man vielleicht eine Schwarmzelle übersieht und das Volk schwärmt ab.



Der Zwischenbodenableger: Grundvoraussetzungen für dieses schwarmverhindernde Verfahren sind gutes Tracht- und Flugwetter für die Bienen und eine exakte Terminplanung für den Imker. Bei diesem Verfahren wird für eine begrenzte Zeit von 10 Tagen mit den Flugbienen eines Volkes ein „Flugling“ gebildet und die Königin bleibt zusammen mit den jungen Ammenbienen bei ihren Brutwaben und bilden so einen „Brutling“. Der „Flugling“ und der „Brutling“ bleiben übereinandergestellt auf den Platz des so getrennten Volkes stehen. Sie werden jedoch durch einen Zwischenboden voneinander abgetrennt. Der Zwischenboden besteht lediglich aus einer Holzplatte, die eine Zarge exakt abdeckt, mit einer Umrandung aus Holzleisten, in die vorne ein Flugloch eingepasst ist und genau unter eine Zarge passt. Zum Zeitpunkt der Erstellung muss gutes Flugwetter vorherrschen, sonst funktioniert das Verfahren nicht.


Am Tage 0, dem Beginn dieses Zwischenbodenableger-Verfahrens, öffnet man zunächst den Honigraum, entnimmt diesem eine Wabe und schafft Platz in der mittleren Position und stellt diese Wabe zunächst zur Seite. Dann wird der Honigraum abgehoben und auf den umgekehrten Beutendeckel gestellt. Jetzt lässt sich das Absperrgitter abnehmen. Schon dabei muss man darauf achten, dass nicht die Königin unter dem Absperrgitter sitzt. Die Bienen kann man dann vom Absperrgitter abstoßen, denn dieses wird vorübergehend die nächste Zeit nicht benötigt.


Als nächsten Schritt sucht man aus einem der zwei Bruträume eine Wabe mit jüngster Brut (Eier und jüngste Larven), die dann in die Lücke im Honigraum umhängt wird. Hierbei muss sehr gewissenhaft geschaut werden, dass man dabei nicht die Königin transferiert, denn die muss im Brutraum verbleiben. Die zuvor aus dem Honigraum entfernte und zur Seite gestellte Honigraumwabe wird jetzt in die Lücke des Brutraums gehängt oder die Brutwaben werden zusammengeschoben und an den Brutrand wird die Honigwabe eingehängt. Dann werden beide Bruträume zur Seite gestellt, was man günstig mit einer Kippkontrolle auf Schwarmzellen kombinieren sollte. Sollten hierbei womöglich schon bestiftete Schwarmzellen zu sehen sein, müssen zunächst alle Brutwaben einzeln durchgeschaut werden und die Zellen entfernt werden. Erst dann wird der Honigraum auf den Beutenboden gestellt. Darauf werden eine Plastikfolie und der oben genannte Zwischenboden platziert.


Dann werden darauf die beiden Bruträume gestellt und der Zargenturm mit einer weiteren Plastikfolie und dem Beutendeckel verschlossen. Das zunächst nicht mehr benötigte Absperrgitter kann gut unter dem Beutendeckel zwischengelagert werden.


Aufgrund ihrer Gewohnheit fliegen jetzt alle Flugbienen des Volkes in den Flugschlitz des Beutenbodens und gelangen so in den unten stehenden Honigraum und bilden so den „Flugling“. Damit verliert der „Brutling“ seine Flugbienen und die Schwarmstimmung ist gebrochen.


Der „Flugling“ wird sodann auf der einen Brutwabe Nachschaffungsköniginnen produzieren, die etwa 11 bis 12 Tage später schlüpfen könnten. Daher werden 10 Tage nach der Trennung die beiden Volksteile wieder vereinigt. Dazu werden zunächst die beiden Brutzargen des „Brutlings“ auf den umgedrehten Beutendeckel umgestapelt und der Zwischenboden entfernt. Als nächstes wird die eingehängte Brutwabe im „Flugling“ gezogen, die Bienen abgeschlagen, um alle Nachschaffungszellen zu brechen. An Stelle der entnommen Butwabe mit den Nachschaffungszellen wird ein Rähmchen mit Mittelwand in den „Flugling“ (= Honigraum) gehängt. Wenn die Zarge des „Fluglings“ zur Seite gestellt ist, kann das Volk wieder so zusammengebaut werden, wie man es vor der Trennung angetroffen hat. D.h. die Bruträume nach unten, das Absperrgitter und darauf dann wieder den Honigraum platzieren. Abschließend wird mit einer Plastikfolie und mit dem Beutendeckel das Volk wieder verschlossen.


Wer also die Schwarmverhinderung nicht mit der Erstellung von Ablegern kombinieren will, für den ist das Verfahren mit dem Zwischenbodenableger eine Alternative.


Wir wünschen Ihnen viel Erfolg mit Ihren Bienen und verbleiben mit den besten Grüßen

Dr. Otto Boecking

Prof. Dr. Werner von der Ohe


LAVES Institut für Bienenkunde Celle

Herzogin-Eleonore-Allee 5, 29221 Celle


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Über den Autor

Das Institut für Bienenkunde Celle ist ein Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung sowie angrenzender Bereiche wie z.B. Pflanzenschutz, Landwirtschaft. Im Bieneninstitut sind 13 Mitarbeiterinnen und 16 Mitarbeiter sowie acht Auszubildende in den Bereichen Imkerei, Labor und Verwaltung tätig.
Durch überregionale Tätigkeit in den Bereichen Fortbildung,Forschung,Entwicklung hat das Bieneninstitut internationale Anerkennung.

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