Tipps zum Beginn der Honigernte

Wir freuen uns Ihnen unsere neue Bienenzuchtberaterin Franziska Odemer vorstellen zu

dürfen. Frau Odemer unterstützt seit dem 01.03.2020 den Bienenzuchtberatungsdienst mit

den Kollegen Guido Eich, Ingo Lau und Dr. Otto Boecking bei der Beratung der Imkerschaft.

Als studierte Agrarwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Bienenkunde an der Universität Hohenheim

verfügt sie neben der praktischen Erfahrung durch die Führung einer eigenen Imkerei über umfangreiches Fachwissen.
Zusätzlich konnte sie mit ihrem eigenen YouTube-Kanal „FranziBee“ die Fähigkeit ausbauen imkerliches

Wissen über die modernen Medien zu transferieren. In Zukunft wird die junge Mutter unser

Team in Teilzeit unterstützen, indem sie unter anderem Schulungsmaterial in Form von

Lehrvideos und im Dialog mit der Imkerschaft Webinare anbieten wird. Sie schließt somit eine

Lücke in unserem Bienenzuchtberatungsdienst und wir freuen uns über diese Ergänzung

unseres Angebotes für die Imkerschaft. Wir alle vom Bieneninstitut freuen uns auf eine gute

Zusammenarbeit!


Wann den Honig ernten?

Optimaler Weise erfolgt die Honigernte nach dem Ende einer Massentracht ohne eine

fortlaufende „Läppertracht“ welche den Honig stets feucht halten könnte. Vorteilhaft ist es,

wenn auf das Ende der Massentracht eine Schlechtwetterperiode fällt. Diese sollte auch von

ungeduldigen Imkern abgewartet werden, da die Bienen in dieser Zeit durch Einstellung des

2 / 4 Flugbetriebes mittels Ventilation das frische Sammelgut trocknen und zu fertigen Honig

reifen lassen können.


Woran erkenne ich reifen Honig?

Bei der Entnahme von Honigwaben ist der Wassergehalt das wichtigste Qualitätsmerkmal.

Dabei gilt je trockener der Honig, desto besser ist seine Qualität. Um eine lange

Lagerfähigkeit zu gewährleisten sollte der Honig reif mit möglichst weniger als 18 %

Wassergehalt geerntet werden. Selbst in verdeckelten Honigwaben kann der Wassergehalt

erheblich schwanken (von 13 % bis 25 %), daher bietet der Anhaltspunkt „großflächig

verdeckelt“ keine Gewähr für Reife.


Grundsätzlich gibt es bei der Einschätzung des Wassergehaltes aber folgende Tipps:


• In Randwaben kann der Wassergehalt des Honigs feuchter sein als in den Zentralwaben

• In „dicken“ Honigwaben mit in die Länge gezogenen Honigzellen kann der Honig feuchter

sein als in „dünnen“ Waben

• Honigwaben aus den zuerst aufgesetzten Zargen sind trockener als die aus den oberen

Honigräumen

• Nach Trachtende trocknet auch offener Honig nach, aber nur solange die Bienen keinen

neuen Nektar oder Honigtau auf den bereits getrockneten Honig auftragen

• Niedrige Temperaturen sowie hohe Luftfeuchtigkeit können dazu führen, dass der Honig

Wasserdampf aufnimmt - selbst durch die Zelldeckel (hygroskopische Eigenschaft).

• Wer früh morgens erntet vermeidet dass frischer, wasserreicher Nektar aufgetragen

wurde.


Wassergehalt überprüfen

Wer den Wassergehalt möglichst exakt bestimmen möchte, muss sich eines Refraktometers

bedienen. Dazu werden ein paar Tropfen des zuletzt eingetragenen Honigs aus einer

Randwabe des obersten Honigraumes entnommen und auf die Messfläche des

Refraktometers gegeben. Je nach Refraktometertyp liest man direkt den Wassergehalt oder

den Zuckergehalt ab.


„Spritzmethode“

Ist kein Refraktometer zur Hand oder die Investition zu teuer, kann der Wassergehalt mit der

einfachen „Spritzmethode“ überprüft werden. Die äußerste Randwabe aus dem Honigraum

wird gezogen und im 90° Winkel nach unten gestoßen. Fällt kein einziges Tröpfchen so kann

man davon ausgehen, dass der Wassergehalt des zargenmittig eingelagerten Honigs niedrig

genug für die Ernte ist.


Wie ernte ich den Honig?

Dafür steht den Imkerinnen und Imkern eine Vielzahl verschiedener Möglichkeiten zur

Verfügung welche Vor- wie auch Nachteile bieten. Letztendlich ist es auch eine Frage der

Einstellung. Zwei bewährte Möglichkeiten werden im Folgenden vorgestellt:


Variante 1

Neben dem erntereifen Volk wird eine Zarge mit bienendicht verschlossenem Boden und

Deckel gestellt. Der Honigraum wird mit geringer bis keiner Rauchgabe geöffnet.

Anschließend werden im Honigraum die Waben nacheinander gezogen und die Bienen vor

das Flugloch gefegt. Ein zügiges Arbeiten ist notwendig! Bei Bedarf kann eine Folie oder ein

Innendeckel als Landebahn für die Bienen vor das Flugloch gelegt werden. Aus

ergonomischen Gründen empfiehlt es sich die Honigwaben mit einem Ohr abzustellen um

die Gewichtsbelastung zu reduzieren. Die abgefegten bienenfreien Honigwaben werden in

die vorbereitete Leerzarge gehängt und eventuell für den Transport fixiert. Bei diesen

Arbeiten ist darauf zu achten, dass die Honigwaben zügig bienendicht mit einem Deckel

abzudecken sind (Vermeidung von Räuberei!). Nun kann ein vorbereiteter Honigraum mit

ausgebauten Waben und Mittelwänden über das Absperrgitter anstelle des vorherigen

Honigraums aufgesetzt werden oder man gibt den entnommenen Honigraum nach dem

Abschleudern zügig dem Volk zurück.


Variante 2

Hierbei wird der Honigraum zunächst abgenommen und auf einen verschlossenen Boden

neben das Volk gestellt. Anschließend wird eine Leerzarge über das Absperrgitter gegeben in

welche die Bienen von den Honigwaben abgefegt werden. Diese Leerzarge wird nach dem

Abernten als neuer Honigraum mit ausgebauten Waben und Mittelwänden gefüllt.


2. Möglichkeit: Die bessere Alternative: Honigernte mit der Bienenflucht

Die Bienenflucht ist eine Art Zwischenboden welcher nach dem Einbahnstraßen-Prinzip

funktioniert. Sie wird zwischen den Brut- und den Honigraum gelegt. Die Bienen aus dem

Honigraum wechseln in den Brutraum um die Brut und die Königin zu versorgen, sie können

aber nicht wieder zurück nach oben in den Honigraum gelangen. Innerhalb von 24h ist der

Honigraum in der Regel bienenleer.

Die Honigernte mit der Bienenflucht ist dem Besen vorzuziehen, da sie viele Vorteile bietet:

Sie ist…

• … Bienenfreundlich

• … Anwenderfreundlich

• … vermindert Räuberei

• … reduziert direkten Kontakt zu den Bienen

• … erspart Smoker und Schleier

• … stellt sicher, dass kein frischer Nektar eingetragen wird

Und hat nur den Nachteil:

• man fährt den Bienenstand zweimal an

• bei Frühtrachthonig und kühler Witterung kann ggf. der Honig beginnen zu

kristallisieren (deutlich niedrigere Temperatur im Honigraum)


Vorgehen

Man fährt den Bienenstand in den frühen Morgenstunden an, damit kein frischer Nektar

eingetragen wird und überprüft ob der Honig auf Erntetreife. Dann wird der Honigraum

abgenommen und die Bienenflucht auf das Absperrgitter gelegt. Alternativ kann bereits ein

vorbereiteter neuer Honigraum auf das Absperrgitter gesetzt und die Bienenflucht darüber

aufgelegt werden. Der zu erntende Honigraum wird auf die Bienenflucht gestellt. Nach etwa

24h können die bienenleeren Honigräume abgenommen werden. Der Honigraum sollte

jedoch nicht länge bienenleer auf der Bienenflucht stehen bleiben, da der Honig aufgrund

der niedrigeren Temperaturen (ohne Bienen) dann nicht nur kristallisieren, sondern auch

Wasser ziehen kann. Falls die Bienenflucht nicht funktioniert haben sollte, muss man die

Honigräume auf Brut kontrollieren. In seltenen Fällen hat sich eine Königin aufgrund

fehlerhafter Absperrgitter nach oben geschlichen.


Nicht allen Honig ernten!

Bei der Honigentnahme sollte auch ein Blick in die obere Brutraumzarge geworfen werden.

Sind unter dem Absperrgitter breite Futterkränze zu sehen, sollte der Futtervorrat die

nächsten Wochen ausreichen. Erscheint bei der Gewichtskontrolle ein Volk als zu leicht,

sollte man mindestens eine volle Honigwabe im Honigraum belassen, damit das Volk bei

fehlender Tracht keinen Hunger leiden muss. Mit Honig befüllte Randwaben aus der

Brutraumzarge werden nicht entnommen!


Wichtig!

● Bei allen Maßnahmen während der Honigernte ist Räuberei stets zu vermeiden!




Mehr Informationen zu Thema „Honig“ finden Sie u.a. in unserem neuen Infoblatt „Kleine

Honigkunde für Einsteiger - Hinweise über die Honiggewinnung und die Honigverarbeitung“

auf der Homepage unter

https://www.laves.niedersachse…ienenprodukte-134750.html


Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Honigernte und verbleiben mit den besten Grüßen


Franziska Odemer

Dr. Otto Boecking

Prof. Dr. Werner von der Ohe


LAVES Institut für Bienenkunde Celle

Herzogin-Eleonore-Allee 5,
29221 Celle


http://www.laves.niedersachsen…ticle_id=73177&_psmand=23
Folgen Sie dem LAVES auf Twitter: https://twitter.com/LAVESnds

Über den Autor

Das Institut für Bienenkunde Celle ist ein Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung sowie angrenzender Bereiche wie z.B. Pflanzenschutz, Landwirtschaft. Im Bieneninstitut sind 13 Mitarbeiterinnen und 16 Mitarbeiter sowie acht Auszubildende in den Bereichen Imkerei, Labor und Verwaltung tätig.
Durch überregionale Tätigkeit in den Bereichen Fortbildung,Forschung,Entwicklung hat das Bieneninstitut internationale Anerkennung.

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