Empfehlungen und Anregungen zur Gesunderhaltung Ihrer Bienenvölker

Trotz „Entschleunigung“ durch die anhaltende Corona-Pandemie ist im Rückblick die diesjährige Bienensaison wie im Fluge vergangen.
Sie war wesentlich von Wetterkapriolen bestimmt. Hier im Norden hat es bereits im Frühjahr diverse Blatthonigtautrachten gegeben, die nach den Labordaten wie in den Vorjahren (siehe unser Jahresbericht 2019) auch die Frühtrachthonige beeinflusst haben.
Die Honigerträge sind nach bisherigen Daten und Meldungen überdurchschnittlich gut.

Derzeit hoffen die Heideimker, wie in jedem Jahr, auf eine prächtige und Ertrag liefernde Heideblüte.


Jetzt muss der Fokus einer jeden Imkerin, eines jeden Imkers insbesondere auf

» das Abernten der Wirtschaftsvölker,

» die Vermeidung von Räuberei,

» die Futterversorgung der Jung- und Altvölker und

» auf eine Varroabefalls-Ermittlung liegen.


Beim Abernten der Wirtschaftsvölker gilt die grundsätzliche Regel, dass der Honig unterhalb des Absperrgitters den Bienen gehört und dort belassen werden sollte.

Dennoch muss jeder, der jetzt den Sommerhonig aberntet bzw. bereits abgeerntet hat, die Futterversorgung jedes Bienenvolkes unbedingt im Blick behalten, um notfalls mit einer Futtergabe einen Ausgleich für die Honigentnahme zu schaffen und damit die Versorgung sicherzustellen.
Ein wesentlicher Eintrag von Nektar ist mit Ausnahme von Standorten mit reichlichem Springkraut-Vorkommen (Impatiens glandulifera) eher nicht mehr zu erwarten.

Denken Sie beim Abernten und auch beim Füttern unbedingt daran, dass zurzeit unvorsichtiges Arbeiten an den Bienenvölkern Räuberei auslöst. Das muss unbedingt vermieden werden. Ernten Sie die Völker entweder in den frühen Morgenoder späten Abendstunden ab. Füttern sollte man eher in den Abendstunden.


Besonderes Augenmerk benötigen nach wie vor auch die Jungvölker, die ja noch weiter bis zur Überwinterungsstärke wachsen sollen. Das heißt, sie benötigen stets Futter und Erweiterungswaben bzw. Rähmchen mit Mittelwänden solange sie noch bauen.


■ Der Varroa-Befalls-Status der Völker muss jetzt zur Ermittlung der Schadschwellen erfasst werden!


Ab jetzt gilt es sich einen Überblick über den Varroa-Befallsgrad der eignen Völker zu verschaffen. Wer das nicht tut, der Imkert im „Blindflug“, denn die Bekämpfung der Varroamilbe soll möglichst nach dem Schadschwellenprinzip erfolgen.
Dazu muss man erst einmal Kenntnis über den derzeitigen Varroa-Befallsgrad der eigenen Völker haben.


Legen Sie für die Dauer von 3 Tagen eine Varroa-Diagnosewindel unter ihre Völker und zählen Sie dann den natürlichen Milbentotenfall aus. Daraus kann dann der Milbenfall pro Tag errechnet werden. Erst bei einem täglichen natürlichen Milbenfall von über 10 Varroamilben pro Tag bei den Wirtschaftsvölkern bzw. bei über 5 Varroamilben pro Tag bei den Jungvölkern bedarf es einer sofortigen medikamentösen

Varroa-Behandlung.
Diese kritischen Schadschwellen werden zu dieser Jahreszeit bei Völkern derjenigen Imker eher selten erreicht, die mit wenigen Milben

in ihren Völkern das Jahr 2020 begonnen, in diesem Jahr regelmäßig Drohnenbrut ausgeschnitten und Jungvölker zur Varroa-Reduzierung aus ihren Wirtschaftsvölker erstellt haben – so, wie wir es über unsere Infobriefe empfohlen haben.
Bei den Jungvölkern ist jetzt die kritische Schadschwelle von täglich mehr als 5 Milben eher unwahrscheinlich, da die Jungvölker ja zwischenzeitlich, als sie brutfrei waren,behandelt wurden.

Für alle Völker, die die Schadschwelle (noch) nicht erreicht haben, gilt es jetzt erst einmal nach dem Abernten zu füttern, um so Futterkränze in der oberen Brutzarge zu schaffen, die für eine etwaige Ameisensäure-Behandlung im August ein sicheres Polster bilden.
So wird die Brut vor Ameisensäureschäden besser geschützt.
Derzeit ist der Einsatz von Ameisensäure-Verdunstersystemen wegen der extrem unterschiedlichen Temperaturen (tags und nachts) eher schwierig.

Wer jetzt behandeln muss, dem empfehlen wir das Konzept des „Teilens und Behandelns“, das sich als Pendant in ähnlicher Weise als ein wesentliches Element beim „Celler-Rotationsverfahren“ finden lässt. Es ist zudem nicht wesentlich anders ausgestaltet, als das Verfahren „der totalen Brutentnahme“.
Der Vorzug dieser Verfahren liegt darin, dass ein brutfreie Phase geschaffen wird, in der dann die Varroamilben auf den erwachsenen Bienen sitzen, um dann gezielt und sehr effizient bekämpft werden zu können. Details dazu finden Sie am Ende dieses Info-Briefes.

Diejenigen Völker, bei denen die Schadschwelle noch nicht erreicht ist, werden so Mitte August behandelt.


Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und Spaß mit Ihren Bienen und verbleiben mit den

besten Grüßen


Dr. Otto Boecking,

Prof. Dr. Werner von der Ohe,


LAVES Institut für Bienenkunde Celle

Herzogin-Eleonore-Allee 5, 29221 Celle

Unsere Informationsangebote finden Sie unter:

http://www.laves.niedersachsen…ticle_id=73177&_psmand=23


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Über den Autor

Das Institut für Bienenkunde Celle ist ein Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung sowie angrenzender Bereiche wie z.B. Pflanzenschutz, Landwirtschaft. Im Bieneninstitut sind 13 Mitarbeiterinnen und 16 Mitarbeiter sowie acht Auszubildende in den Bereichen Imkerei, Labor und Verwaltung tätig.
Durch überregionale Tätigkeit in den Bereichen Fortbildung,Forschung,Entwicklung hat das Bieneninstitut internationale Anerkennung.

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