Imkerliche Arbeiten zu Beginn der Kirschblüte

Die Bienenvölker haben sich von dem Wetter der letzten Wochen nur wenig beeindrucken lassen. Das zeigt schon ein erster Blick durch die Abdeckfolie. In den allermeisten Völkern sind inzwischen die „Winterbienen“ durch eine Vielzahl von geschlüpften Jungbienen ausgetauscht worden.


Für das Einhängen von Drohnenrahmen (Leer-Rähmchen eventuell mit Anfangsstreifen) muss Platz im 2. Brutraum geschaffen werden. Völkern, die über ausreichend Futtervorräte verfügen, entnimmt man dazu eine voll verdeckelte Randwabe1. Der Drohnenrahmen sollte an der zweit-äußeren Position (links oder rechts) am Rand des Brutnestes eingehängt werden. Für die spätere Kontrolle und Entnahme der Drohnenrahmen ist es sinnvoll bei allen Völkern gleich zu verfahren. So spart man sich die Suche nach dem Drohnenrahmen.


Honigräume werden jetzt über Absperrgitter aufgesetzt. Bekommen die Völker jetzt keinen Honigraum und der Nektareintrag hält weiterhin an, lagern die Bienen diesen im Brutnest ab. Der Königin stehen so nur begrenzt leere Brutzellen zum „Bestiften“ zur Verfügung.

Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl junger Bienen mit voll ausgebildeten Futtersaftdrüsen in den Völkern. Wenn diese ihren Futtersaft nicht an eine Vielzahl junger Larven verfüttern können, weil die Königin kein Platz zum Eierlegen vorfindet, ist der Grundstein für die Schwarmzeit gelegt. Das nur, weil Platzmangel herrscht.
Die Honigraumzarge wird ausschließlich mit hellen Waben (geschleuderte und von Bienen trocken geputzte Waben aus dem Vorjahr) und mit Mittelwänden bestückt. Die ausgebauten Waben werden mittig in die Zarge gehängt und rechts und links mit Rähmchen mit Mittel- wänden ergänzt. Sollte man keine ausgebauten Waben haben, gibt man nur Mittelwände.


Manch ein Imker schwört auf das „Locken“ der Bienen mit in den Honigraum umgehängten Brutwaben. Davon raten wir dringend ab, denn Brutwaben haben im Honigraum nichts zu suchen. Es birgt zwei Gefahren: 1. kann bei einsetzenden Nachtfrösten die hochgehängte Brut womöglich verkühlen, weil die Bienen nur das eigentliche Brutnest wärmen. 2. besteht das Problem, dass die Bienen dort womöglich unbemerkt Nachschaffungszellen anlegen. Als Folge der Nachschaffung im Honigraum wird dann die eigene Königin den Bienenkasten mit einem Teil der Bienen als Schwarm verlassen, bevor die erste Nachschaffungskönigin schlüpft.



Was tun mit bislang noch nicht erweiterten 1-zargige Völkern (Jungvölker des letzten Jahres)? Diese Völker erhalten jetzt auch einen Drohnenrahmen und zudem einen Honigraum über Absperrgitter aufgesetzt. Wenn diese Völker den Honigraum gut angenommen haben, werden sie später mit einer zweiten Brutzarge erweitert, die man einfach untersetzt.


Grundsätzlich gilt: sollte sich das Wetter in den nächsten Wochen nicht wirklich „Honigbienen-freundlich“ entwickeln und es trotz der vorhandenen Blütenmassen nicht zu einem massiven Nektareintrag kommen, hat man mit dem Aufsetzen des Honigraums nichts falsch gemacht. Wird der Honigraum nämlich zu spät aufgesetzt, verfolgt einen dieser Fehler noch Wochen während der aktiven Bienensaison, weil die Völker frühzeitig in Schwarm- stimmung gekommen sind.



Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und Spaß mit Ihren Bienen und verbleiben mit den besten Grüßen

Dr. Otto Boecking
Dr. Kirsten Traynor


LAVES Institut für Bienenkunde Celle

Herzogin-Eleonore-Allee 5, 29221 Celle


Unsere Informationsangebote finden Sie unter:
https://www.laves.niedersachsen.de/live/live.php?navigation_id=20073&article_id=73177&_psmand=23


Folgen Sie dem LAVES auf Twitter: https://twitter.com/LAVESnds




_____________________________________

(*1)Wer über regelmäßig gezogene Futterkranzproben weiß, dass seine Völker gesund und frei von Amerikanische Faulbrut sind, kann diese Futterwaben dann später bei der Erstellung von Jungvölkern verwerten.







Über den Autor

Das Institut für Bienenkunde Celle ist ein Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung sowie angrenzender Bereiche wie z.B. Pflanzenschutz, Landwirtschaft. Im Bieneninstitut sind 13 Mitarbeiterinnen und 16 Mitarbeiter sowie acht Auszubildende in den Bereichen Imkerei, Labor und Verwaltung tätig.
Durch überregionale Tätigkeit in den Bereichen Fortbildung,Forschung,Entwicklung hat das Bieneninstitut internationale Anerkennung.

Kommentare