Honig-Saison-2021

Was war das (bislang) für eine Bienensaison 2021!?

Für die einen war die Saison 2021 witterungsbedingt eher ein „echtes Desaster“. Andere haben „die Honigernte ihres Lebens eingefahren“. Gegensätzlicher kann die Situation nicht ausfallen. Die Honigerträge sind bei uns im Institut noch nicht bilanziert, aber von Knappheit kann nicht die Rede sein. Das liegt aber auch darin begründet, dass wir mit unseren Wirtschaftsvölkern gezielt verschiedene Trachten anwandern. Sicherlich wird aber der Gesamtertrag vom vergangenen Jahr nicht übertroffen.

Derzeit hoffen die Heideimker noch auf eine prächtige Heideblüte. In diesem Jahr ist diese Hoffnung nicht unbegründet, denn Regen gab es vielerorts bekanntlich genug.

Jetzt muss der Fokus einer jeden Imkerin, eines jeden Imkers insbesondere auf

  • das Abernten der Wirtschaftsvölker,
  • die Vermeidung von Räuberei,
  • die Futterversorgung der Jung- und Altvölker und
  • auf eine Varroabefalls-Ermittlung liegen.

Beim Abernten der Wirtschaftsvölker gilt die grundsätzliche Regel, dass der Honig unterhalb des Absperrgitters den Bienen gehört und dort belassen werden sollte.

Dennoch muss jeder, der jetzt den letzten Honig aus den Honigräumen erntet, die Futterversorgung der Bienen unbedingt bei jedem Einzelvolk im Blick behalten, um notfalls mit einer Futtergabe einen Ausgleich für die Honigentnahme zu schaffen. Ein Eintrag von Nektar ist mit Ausnahme von Standorten mit reichlichem Springkraut- Vorkommen (Impatiens glandulifera) eher nicht mehr zu rechnen.

Denken Sie beim Abernten und auch beim Füttern unbedingt daran, die Zeit der Räuberei ist eingeläutet und die wird bekanntlich durch unvorsichtiges Arbeiten an den Bienen ausgelöst. Das muss unbedingt vermieden werden. Ernten Sie die Völker entweder in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden ab. Füttern sollte man eher in den Abendstunden.


Besonderes Augenmerk benötigen nach wie vor auch die Jungvölker,
die ja noch weiter bis zur Überwinterungsstärke wachsen sollen. Das heißt, sie benötigen stets Futter und Erweiterungswaben bzw. Rähmchen mit Mittelwänden solange sie noch bauen. Nach Aussagen unseres Bienenzuchtberaters Herrn Wulf-Ingo Lau gilt das in diesem Jahr auch für einen Teil der Wirtschaftsvölker, die im Vergleich zu anderen Jahren aufgrund der ungünstigen Witterungsbedingungen mitunterer schwächer sind.


Der Varroa-Befalls-Status der Völker muss jetzt zur Ermittlung der Schad- schwellen erfasst werden!

Ab jetzt gilt es sich einen Überblick auch über den Varroa-Befallsgrad der Völker zu verschaffen. Wer das nicht tut, der Imkert im „Blindflug“, denn die Bekämpfung der Varroa-Milbe soll möglichst nach dem Schadschwellenprinzip erfolgen. Dazu muss man erst einmal Kenntnis über den derzeitigen Varroa-Befallsgrad der eigenen Völker erlangen.

Legen Sie für die Dauer von mindestens 3 Tagen eine Varroa-Diagnosewindel unter ihre Völker und zählen Sie dann den natürlichen Milbentotenfall aus. Daraus kann dann der Milbenfall pro Tag errechnet werden. Erst bei einem täglichen natürlichen Milbenfall von >10 Varroa-Milben pro Tag bei den Wirtschaftsvölkern bzw. bei >5 Varroa-Milben pro Tag bei den Jungvölkern ist die Schadschwelle überschritten und es bedarf einer sofortigen medikamentösen Varroa-Behandlung. Diese kritischen Schadschwellen werden zu dieser Jahreszeit bei Völkern derjenigen Imker eher selten erreicht, die mit wenigen Milben in ihren Völkern das Jahr 2021 begonnen, in diesem Jahr regelmäßig Drohnenbrut ausgeschnitten und Jungvölker zur Varroa-Reduzierung aus ihren Wirtschaftsvölker erstellt haben. Bei den Jungvölkern ist jetzt die kritische Schadschwelle von täglich mehr als 5 Milben eher unwahrscheinlich, da die Jung- völker ja zwischenzeitlich, als sie brutfrei waren, behandelt wurden.

Für alle Völker, die die Schadschwelle (noch) nicht erreicht haben, gilt es jetzt erst einmal nach dem Abernten etwas zu füttern. So schafft man Futterkränze in der oberen Brutzarge, die für eine etwaige Ameisensäure-Behandlung im August ein sicheres Polster bilden. So wird die Brut vor Ameisensäureschäden besser geschützt. Derzeit ist der Einsatz von Ameisensäure-Verdunstersystemen


Wer jetzt behandeln muss, dem empfehlen wir das Konzept des „Teilens und Behandelns“,

das sich als Pendant in ähnlicher Weise als ein wesentliches Element beim „Celler-Rotationsverfahren“ finden lässt. Es ist zudem nicht wesentlich anders ausgestaltet, als das Verfahren „der totalen Brutentnahme“. Der Vorzug dieser Verfahren liegt darin, dass eine brutfreie Phase geschaffen wird, in der dann die Varroa-Milben ausschließlich auf den erwachsenen Bienen sitzen, um sie dann gezielt und sehr effizient bekämpfen zu können. Dazu eignet sich besonders die Anwendung von Oxalsäure. Details dazu finden Sie am Ende dieses Info-Briefes.

Diejenigen Völker, bei denen die Schadschwelle jetzt noch nicht erreicht ist, können dann Mitte August auch mit dem Verfahren „Teilen und Behandeln“ behandelt werden.


Zur Vorgehensweise der „totalen Brutentnahme“ möchten wir zum Schluss noch einen uns wichtigen Aspekt herausgreifen. Die „vollständige Brutentnahme“ ist wie das „Teilen und Behandeln“ eine effiziente Varroabekämpfung unter Zuhilfenahme eines biotechnischen Schrittes (Brutpause). Beide Verfahren unterscheiden sich lediglich in der Nuance, dass beim „Teilen und Behandeln“ sowohl die Bienenmasse und die gesamte Brut grundsätzlich erhalten bleiben bzw. verwertet wird. Bei der

„totalen Brutentnahme“ wird mitunter empfohlen die Brut durch Einschmelzen zu vernichten. Das ist jedoch in den allerseltenen Fällen begründbar. Das wäre nur dann nötig, wenn die Brut erheblich durch Varroa und Viren geschädigt ist. In diesem Fall aber macht auch der Versuch die erwachsenen Bienen über die „totale Brutentnahme“ zu retten keinen Sinn. Die Brut und die erwachsenen Bienen sind dann logischerweise in dieser Konstellation so vorgeschädigt, dass selbst ein daraus erstelltes Volk nur mit den erwachsenen Bienen den Winter nicht überleben kann. Andererseits sind beispielsweise bei einem 20 %igen Varroa-Brutbefall 80 % der Bienen in den Waben ganz ohne Milben aufgewachsen, so dass deren Vernichtung durch Einschmelzen nicht begründbar ist. Von daher empfiehlt es sich auch bei der „totalen Brutentnahme“ die Brut in Brutscheunen zum Schlüpfen zu bringen, um dann behandelt zu werden.

Letztlich läuft das dann aber genau auf das Verfahren des „Teilens und Behandelns“ hinaus.


Wir wünschen Ihnen viel Freude mit Ihren Bienen! Bleiben Sie gesund!


Dr. Otto Boecking Dr. Kirsten Traynor


LAVES Institut für Bienenkunde Celle

Herzogin-Eleonore-Allee 5, 29221 Celle


Unsere Informationsangebote finden Sie unter:
http://www.laves.niedersachsen…ticle_id=73177&_psmand=23
Folgen Sie dem LAVES auf Twitter: https://twitter.com/LAVESnds

ANHANG

Die praktische Vorgehensweise beim „Teilen und Behandeln“ erklärt in Schemata. Wer mehr dazu nachlesen möchte, findet detaillierte Erklärungen in unserem Infodienst-Archiv im Internet im Infobrief vom 17. Juli 2020.


Wir wünschen Ihnen viel Erfolg mit diesem Verfahren!

Dr. Otto Boecking Dr. Kirsten Traynor


LAVES Institut für Bienenkunde CelleHerzogin-Eleonore-Allee 5, 29221 Celle


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Über den Autor

Das Institut für Bienenkunde Celle ist ein Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung sowie angrenzender Bereiche wie z.B. Pflanzenschutz, Landwirtschaft. Im Bieneninstitut sind 13 Mitarbeiterinnen und 16 Mitarbeiter sowie acht Auszubildende in den Bereichen Imkerei, Labor und Verwaltung tätig.
Durch überregionale Tätigkeit in den Bereichen Fortbildung,Forschung,Entwicklung hat das Bieneninstitut internationale Anerkennung.

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